Anna Lauvergnac Quartet | 19.04.2024

Donaukurier | Karl Leitner
 

Anna Lauvergnac gibt die Devise für das Konzert ihres Quar­tetts im Neuburger Birdland Jazzclub frühzeitig selbst vor. Um die Liebe wird es gehen in den nächsten knapp zwei Stunden, um Lieder zu diesem immer­währenden Thema, weil die Sprache der Musik universell sei und überall verstan­den werde und damit auch das, worum es inhaltlich gehe.

Zu Beginn des Abends hat man fast den Eindruck, Anna Lauvergnacs Stimme sei angeschlagen. Seltsam „belegt“ wirkt sie und fast schwerfällig kommt einem die Intonation vor. Ab dem dritten Song, ei­ner sehr gelungenen Version von Gers­hwin’s „It Ain’t Necessarily So“, ist die­ser Eindruck plötzlich wie weggebla­sen. Als hätte die Sängerin den Songtitel ir­gendwie wörtlich genommen. Lauver­gnac, geboren in Triest, lange Jahre Vo­kalistin beim Vienna Art Orchestra, hat sich als Begleitband das Claus Raible Trio ausgesucht mit Raible selbst am Klavier, Giorgos Antoniou am Kontra­bass und Xaver Hellmeier am Schlag­zeug, eine seit Jahren bestens eingespiel­te Truppe also und somit ideal geeignet für den ihr zugedachten Part.

Lauvergnac, ausgestattet mit einer tie­fen, sonoren, warmherzigen Stimme, singt auf eine Art und Weise, die zu Her­zen geht. Nichts Oberflächliches, Vor­dergründiges findet man in ihren Interp­retationen fremder wie auch eigener Stü­cke. Wenn man sie hört, spürt man gleichzeitig Verlässlichkeit, Vertrauen, tiefe Verbundenheit, Ehrlichkeit, reifen Umgang mit dem Thema, nie künstliches Girlie-Gehabe. Hier ist jemand am Werk, der als Künstlerin glaubwürdig ist und einem Thema Glaubwürdigkeit verleiht, das eigentlich, nachdem sich Hinz und Kunz in der Musikbranche fortwährend mit ihm beschäftigt hat, oft allzu abge­droschen wirkt. Nicht in diesem Fall. Bei Lauvergnac ist Inhalt wichtiger als Pose, eine ausdrucksstarke Stimme wichtiger als ein rekordverdächtiger Tonumfang.

Ähnliches gilt auch für Claus Raible. Der war schon oft – in unterschiedlichen Missionen – im Birdland zu Gast, bleibt aber immer er selbst. Auch er legt sein ganzes Herzblut in sein Spiel – weswe­gen sich er und seine Partnerin ja auch so gut ergänzen – , garniert das aber mit seiner typisch lässigen Coolness, die sich schon allein darin ausdrückt, wie er auf seinem Stuhl mit Lehne sitzt, sich nach hinten zurücklehnt, seine rechte Hand wie im Sturzflug auf die Tastatur hernieder sausen lässt, als Arrangeur je­dem der von ihm überarbeiteten Songs ein eigenes, individuelles Markenzei­chen, eine Akkordfolge, eine melodische Be­gleitfigur quasi auf den Leib schreibt, ihn ohne Copyrightverletzungen sozusa­gen zu seinem eigenen macht. „Close Your Eyes“, When The Earth Stood Still“ und Ella Fitzgerald’s „Too Close For Comfort“ kann man ebenso als Bei­spiele heranziehen wie „Lullabye Of The Leaves“ und „Lover Come Back To Me“. Und als Band und Vokalistin zum Ende hin dann auch noch mit dem „Blow Top Blues“ und dem „Hum Drum Blues“ auf absolut souveräne Art in das seelen­verwandte Nachbar­genre des Jazz hin­einschnuppern, kann man trotz anfängli­cher Probleme von einem über­aus gelun­genen Konzert mit zeitloser und doch in­dividuell auf diese Besetzung zuges­chnittener Mu­sik zu einem sich nie er­schöpfenden Thema sprechen. Ein in sich stimmiger, überaus angenehmer Abend.