The Hot Stuff Jazzband | 25.05.2024

Donaukurier | Karl Leitner
 

Revivalbands haben Konjunktur. Wenn die Originale nicht mehr existieren oder nicht greifbar sind, bedient sich der Hörer gerne des Dupli­kats. Elvis, die Beatles, Pink Floyd, AC/DC, Rammstein – im Sog ge­schichtsträchtiger oder sagenumwobe­ner Künstler findet sich immer ein Nachah­mer, der um so beliebter ist, je näher er an das Origi­nal herankommt. Frisur, Look und Outfit müssen überein­stimmen und die Musik natürlich auch. Am bes­ten Ton für Ton.

Was für Rock und Pop gilt, gilt für den Jazz auch, aber nur eingeschränkt, denn obwohl es – wie im Falle der Hot Stuff Jazzband, die an diesem Abend im aus­verkauften Birdland Jazzclub in den Tie­fen der Vergangenheit schürft – auch hier um Nostalgie geht, die „gute alte Zeit“ und in diesem Fall um die ganz auf eine be­stimmte Ära des Jazz fixierte Vorliebe der Zuhö­rer, wird die Authentizität nicht zur bedingungslo­sen Kopie. Schon allein zwangsläufig deswegen nicht, weil all die Stücke des Oldtime Jazz, des Swing und des frü­hen Blues, all die Filmmelo­dien und die Broadway-Songs gar nicht detailgetreu nachspielbar sind. Schon allein der Soli wegen nicht. Covern ist ja auch etwas ganz an­deres als kopieren. Ersteres erfor­dert Kreativität und Inno­vation, letzteres lediglich die Fähig­keit, das nachzumachen, was andere vorge-macht haben.

Und so ist die Hot Stuff Jazzband mit Heinz Dauhrer (Trompete, Gesang), Butch Kellem (Posaune, Gesang), John Brunton (Gitarre, Gesang), Gary Todd (Kontra­bass) und Hermann Roth (Schlagzeug) auch bei ihrem diesmaligen Auftritt im Birdland einmal mehr eine Formation, die zwar auch auf den hohen Wiederer­kennungswert der ausgewählten Stücke setzt, um damit beim Publikum die ge­wünschten Reaktionen hervorzuru­fen, wohl wis­send, dass jene um so deut­licher ausfal­len, je mehr es – wie Max Goldt es so treffend ausdrückte – das ei­gene Ge­dächtnis be­klatschen kann. Das ist über­haupt nicht verwerflich und gar nicht ab­wertend ge­meint, sondern ein­fach nur eine Feststel­lung, die für viele Bereiche gilt. Man fühlt sich besonders sicher und wohl mit dem, was man be­reits kennt und hat deswegen besonders großen Spaß daran.

Im Falle der Hot Stuff Jazz Band be­deutet das ein Wiederhören mit den übli­chen Verdächtigen, mit Sidney Bechet, Louis Armstrong und Duke Ellington und Stücken wie „Honeysuckle Rose“, „C’est Si Bon“ und dem „Basin‘ Street Blues“. Aber dabei bleibt es nicht. Denn obwohl die Bandmitglieder kein einziges Stück ihres Repertoires selber kompo­niert ha­ben, selbige also sofort als Adap­tionen identifizierbar sind, kommt hier dennoch eine gehörige Portion Eigenin­itiative mit ins Spiel. Selbst entworfene Arrange­ments und absichtlich vorge­nommene Veränderungen, die die Hot Stuff-Versio­nen nicht nur von den ur­sprünglichen Vorlagen unterscheiden, sondern auch von den nachträglichen Va­rianten ähn­lich ausgerichteter Bands, he­ben das Quintett letztendlich doch über den Status einer reiner Revi­val-Band hinaus und verleihen ihm ein durchaus eigenes Gesicht. Und nachdem am Ende auch das Publikum per Zugabenforder­ung sei­ne Zufriedenheit signa­lisiert, kommt man unweiger­lich zu dem Schluss, dass die Hot Stuff Jazzband an­scheinend ein­mal mehr alles richtig ge­macht hat. Er­wartungen erfüllt, Konzept aufgegangen.