Swingin‘ Ladies + 2 | 11.05.2024

Donaukurier | Karl Leitner
 

Der letzte Auftritt einer Tournee sei immer ein ganz besonderer, heißt es in Musikerkreisen. Das Pro­gramm sitze nach all den Durchläufen perfekt, man leiste sich schon mal ein paar spontane Scherze untereinander, sei glücklich über eine gelungene Konzert­reise, aber auch in freudiger Erwartung einiger freier Tage. Dass daraus sogar bisweilen magische Momente entstehen und sich ein ganz eigener Zauber entfal­ten kann, sieht man am Konzert der For­mation Swingin‘ Ladies +2 im Birdland.

Wobei, ganz nüchtern betrachtet, die Voraussetzungen sich nicht wesentlich unterscheiden von den vergangenen Gastspielen des Quartetts an gleicher Stelle. Nikki Parrott, Kontrabassistin und Sängerin aus dem australischen New­castle, der aus Dormagen stammende Engelbert Wrobel (Tenor- und Sopransa­xofon, Klarinette) sowie die beiden Pia­nisten Paolo Alderighi aus Mailand und Stephanie Trick aus St. Louis, Missouri, spielen Stücke aus der Zeit zwischen 1920 und 1950, lieben Swing, Boogie, Ragtime und die Musik der großen Broadway Shows jener Tage und machen aus Fats Waller, Jelly Roll Moron, Benny Goodman und Gerorge Gershwin ein Pro­gramm, bei dem eigentlich nichts schief gehen kann.

Was es auch noch nie tat, wenn das Quartett in Neuburg zu Gast war, dies­mal freilich ist dessen Auftritt nicht nur ge­wohnt „gut“, sondern tatsächlich au­ßerordentlich. So tight, so zwingend, so meisterlich und souverän hörte man die Band wohl noch nie. Bei der Leichtig­keit, mit der „Honeysuckle Rose“, „El Choclo“ und “Liza“ von der Bühne kom­men, verspürt man als Zuhörer innerli­ches Kribbeln, die Darbietung ist elegant und zugleich spritzig, der Umgang mit dem Publikum geprägt von echter Herz­lichkeit. Man spürt, dass die Vier vor­ne auf der Bühne einen Riesenspaß ha­ben mit dem haben, was sie da gerade tun, je nach Situation als Quartett, im Trio, re­duziert auf diverse Duos. Wenn die bei­den Pianisten zum vierhändigen Stri­de-Battle antreten und dabei ständig die Sitzposition wechseln, ist das absolut virtuos und der Beifall danach fällt zu­recht dementsprechend stürmisch aus. Wenn Parrott „As Time Goes By“ singt, ist Andacht angesagt, wenn „Spanish Fly“, „Tijuana Taxi“ und „A Taste Of Honey“ zu einem Herb Alpert-Medley zusammengezogen werden, stellt man überrascht fest, dass man diesen Band­leader gar nicht auf dem Schirm hatte, und wenn Wrobel mit seinen Arrange­ments mit quasi jeder Nummer seinen Schabernack treibt, indem er Akzente verrutscht, das Tempo variiert oder mit Taktarten jongliert, dann hat das al­les auch noch eine gehörige Portion Witz. Wie Wrobels Ansagen übrigens auch.

Exzellente Musikerinnen und Musiker, originelle Ideen, Feuer und Leidenschaft auf der Bühne. Dabei macht die Band im Grunde nichts anderes als viele ähnlich ausgerichtete Ensembles auch. Es spielt alte, allseits bekannte Stücke aus der amerikanischen Jazz-Historie. Der große Unterschied liegt in der Art und Weise, wie sie das tut und mit welchem Ergeb­nis. Wenn jemand mit den Mitteln der Musik es fertig bringt, am Ende eines Konzerts ein Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden zu zaubern, dann hat er alles richtig gemacht. Die Frage, ob an dem betreffenden Abend der Jazz neu er­funden wurde oder nicht, stellt sich nicht. Wohl aber die nach dem Genuss­faktor. Der lag bei 100 Prozent.