Duo Paier – Dohrmann „Inspired Rendezvous“ | 10.02.2024

Donaukurier | Karl Leitner
 

Ein Akkorden und ein Kontrabass. Sonst nichts? Nein, mehr braucht es in diesem Fall nicht. Obwohl eine Kombination zwischen diesen bei­den Instrumenten alles andere als alltäg­lich ist, funktioniert sie doch prächtig. Wie man an dem Kärntner Akkordeon- und Bandoneon-Spzialisten Klaus Paier und dem aus Tübingen stammenden Kontrabassisten Florian Dohrmann se­hen und an deren gemeinsamem Pro­gramm mit dem Titel „Inspired Rendez­vous“ ablesen kann.

Die beiden haben absolut keine Berüh­rungsängste. Beide komponieren und vermischen dabei verschiedenartigste Einflüsse von Klezmer bis Boogaloo, vom Balkan und natürlich aus dem Jazz­bereich. Die perfekte Abstimmung der beiden an den ausnotierten Stellen, die aus dem ge­meinsamen Kontext sich her­ausschälenden Soli, der Zusammenklang zwischen den verschiedenen Farben des Akkorde­ons und dem warmen Sound, der vom Bass ausgeht – all das harmo­niert aufs trefflichste. Wer vorab die Be­fürchtung hat, zwei Sets in immer nur dem glei­chen Klangbild ohne zusätzliche Ab­wechslung könnten irgendwann lang­weilig werden, sieht sich schnell eines bes­seren belehrt. Viel zu vielfältig und spannend ist das, was die beiden da im Programm haben.

Ganz ohne Tango geht es nicht, sobald ein Akkordeon im Spiel ist. Er umrahmt in Gestalt von Astor Piazolla den Abend, aber damit hat es sich auch schon, denn im Mittelpunkt des weiteren Geschehens stehen Stücke wie „Secret Moments“, das federleichte „Breeze“ oder „To Liven Up“, Titel, die Paier und Dohrmann glei­chermaßen als für alle möglichen Strö­mungen offene Komponisten ausweisen, die sich nur noch einmal dem Tango an­nähern, nämlich bei „Tanguet“, und sich dann anderem widmen. Zum Beispiel dem Klezmer-Puzzle „Fragment“, das aus vielen, ursprünglich eigenständigen Einzelteilen entstand. Oder einem Stück Dohrmanns aus der Pandemie-Zeit, das auf Mel Tormé’s „Coming Home Baby“ aufbaut. Nachdem während der Aus­gangssperre aber sowieso niemand drau­ßen sein durfte, heißt es folgerichtig „Staying Home Baby“.

Die akzentuierten, geschickt rhythmi­sierten und mit eingängigen Mustern versehenen Stücke aus beider Federn kommen bestens an beim Publikum, aber auch die dazwischen gestreuten Balladen und lyrischen Stimmungsbilder wie etwa „Morgentau“ werden eifrig beklatscht. Und natürlich die beiden Fremdnum­mern, nämlich Charles Mingus‘ „Fables Of Faubus“, das man eher selten, und El­lington’s „Caravan“, das man um so öfter hört, allerdings nicht in dieser klangli­chen Variante.

Duos gehorchen im Jazz, dessen ent­scheidendes Wesensmerkmal nun mal die Improvisation ist, ganz eigenen Ge­setzen. Da gibt es für den Einzelnen kein Verstecken hinter einer Band, da werden Unkonzentriertheiten augenblicklich be­straft. Wenn einer der Partner auch nur ein klein wenig wackelt, hat sich das Stück erledigt. Paier und Dohrmann wir­ken an diesem Abend, als hätten sie nie etwas anderes getan, als in diesem Duo zu spielen – was aber nicht stimmt, denn beide sind auch anderweitig höchst aktiv – verstehen sich blind, können sich blind aufeinander verlassen. Das spürt man so­fort, wenn man die beiden auf der Bühne beobachtet. Ein in jeglicher Hinsicht höchst bemerkenswerter und sehr über­zeugender Abend. What an inspired ren­dezvous!