Emilio Solla Quartet | 24.11.2023

Donaukurier | Karl Leitner
 

Verschmelzungen des Jazz mit anderen Musikstilen gibt es zuhauf. Als an diesem Abend im Neuburger Birdland Jazzclub mit dem argentinischen Pianisten Emilio Solla und dem spanischen Altsaxofonisten und Sänger Antonio Lizana wieder einmal zwei Persönlichkeiten mit unterschiedlichen musikalischen Stammbäumen und damit zwei unterschiedliche Genres aufeinander treffen, ist die Neugier groß, das Gewölbe unter der ehemaligen Hofapotheke sehr gut besucht und die Erwartungshaltung hoch.

Solla, einen Grammy im Gepäck, wird als einer der eigenständigsten Komponisten des Tango-Jazz weltweit bezeichnet und Lizana gilt als eine der aufstrebenden Figuren der südspanischen Flamenco-Jazz-Szene. In der Tat, bereits vorab verspricht diese Konstellation ein interessantes Konzert. Lizana ist tief in der Tradition verwurzelt, hat erst recht spät seine Liebe auch zum Jazz für sich entdeckt und man bescheinigt ihm allenthalben eine „eigene“ Stimme, eine Einschätzung, die man auch im wörtlichen Sinne nur bestätigen kann. Sicherlich ist sie markant und vor dem Hintergrund des von Solla geleiteten, versierten Piano Trios mit Andres Litwin am Kontrabass und Pablo Martin Caminero wegen ihrer hohen Lage zuerst ein befremdlicher, dann aber durchaus reizvoller Kontrast, aber Lizana ist durch die vor allem in der ersten Hälfte stets gleichbleibende Art des Gesangs, der auch noch eindeutig im Vordergrund steht, doch auch der große Gleichmacher. Das Programm umfasst Tango, Modern Jazz und Flamenco mit Stücken, von denen doch jedes seine eigenen Besonderheiten, seinen eigenen Charakter hat und deswegen nach seiner eigene Interpretationsweise verlangt. Lizana freilich geht darauf nicht ein, singt sie alle mit gleichem Ausdruck, stülpt ihnen seinen Gesangsstil über, während die Band sich durchaus einfühlt. Man nehme nur „Silenco de Cristal“, das im Original bei Chick Corea „Crystal Silence“ heißt und eigentlich eine geradezu hinreißende Nummer ist. Eigentlich.

An seinen Beiträgen als Saxofonist gibt’s hingegen nichts auszusetzen und Solla’s Instrumentalnummer„Vidalita – Buenos Aires Blues“ wird unter seiner Mithlfe zu einem echten Highlight. Solla selbst hält sich eher zurück, überlässt Lizana die Position vorne an der Bühnenrampe, die jener sichtlich gerne übernimmt. Dabei ist gerade er die tragende Säule des Ganzen. Seine Stücke, seine Adaptionen von Astor Piazolla und Atahualpa Yupaqui sind Paradebeispiele für modernen Crossover. Sein „El Otro Mar“, eigentlich konzipiert für eine Big Band, „Tango Changes“, das schon vom Titel her für sich spricht – das sind an und für sich starke Titel, gewinnen wegen Lizana’s gesanglicher Beteiligung aber leider nicht unbedingt hinzu.

Er freue sich, hier in Europa spielen zu dürfen, sagt Solla, wolle am liebsten gar nicht mehr nach Hause, zumindest für die nächsten vier Jahre nicht. Diese Äußerung ist natürlich auf den designierten Präsidenten seines Heimatlandes und dessen Amtszeit gemünzt. Nicht umsonst lässt er diesem Statement gleich „Siempre Se Vuelve a Buenos Aires“ folgen. Probleme dieser Art hat Antonio Lizana freilich nicht.