Dejan Terzic „Axiom“ | 21.02.2020

Donaukurier | Karl Leitner
 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, heißt es. Und wer sich nicht ab und zu auf Neues einlässt, etwa auf einen Künstler oder eine Band, die er noch nicht in- und auswendig kennt, dem entgeht bisweilen etwas. So auch in diesem Fall beim Konzert des Schlagzeugers Dejan Terzic, das er unter dem Titel „Axiom“ zusammen mit dem Tenorsaxo­fonisten Chris Speed aus New York, dem Kontrabassisten Matt Penman aus Los Angeles und dem Pianisten Bojan Zulfi­karpašić aus Paris im Birdland Jazzclub in Neuburg gibt.

Derzeit ist das Quartett damit beschäftigt, die neuen Kompositionen ihres Chefs auf ihre Livetauglichkeit hin zu testen, bevor sie dann in einem nächsten Arbeitsschritt für ein neues Album auf­genommen werden. Das Publikum kann also an diesem Abend davon ausgehen, Musik zu hören, die es vorher mit Si­cherheit noch nirgends sonst gehört hat.
Das Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ gilt auch für die Band. Würde der Probelauf zufriedenstellend ausfallen? Wie würden im stillen Kämmerlein konzipierte Stücke wie „Rêve de Voler“, „Silent Dance“ oder „Ruzica“ vor Publi­kum wirken? Bis auf eine kleine Unsi­cherheit gleich zu Beginn von „Chimae­ra“ klappt alles ganz vorzüglich. In dem auf einem rasanten Bassriff aufgebauten, rockig-griffigen „Apollo“, dem mit Bluesharmonien aus dem Ethno-Bereich unterlegten „Zulfikar Pascha“ und dem lyrisch-fragilen „Rozica“ offenbart die Band ihre wahre Stärke. Die liegt darin, die Einzelbeiträge aller Beteiligten in eine Art Gesamtarchitektur einzufügen. Das subtile Drumming des Bandleaders ist das Fundament, auf dem sich vielschichtige Verflechtungen und spannende Verknüpfungspunkte ergeben. Durch­wegs ist der kollektive Spannungsaufbau wichtiger als die solistische Entladung des Einzelnen.

Wie in „Silent Dance“ das Thema sozusagen durchgereicht wird, wie in „Pro­pulsion“ der einsame Ton des Saxofons sich über das spiralig kreiselnde Grund­thema erhebt, wie das seltsam flirrende „Red“ sich immer wieder dem konkreten Zugriff entzieht, das alles verrät in der Tat Sinn für Originalität, Dynamik und Wagemut. Und ganz am Ende stellt die Band mit dem verzerrten und zornig klingenden Fender Rhodes-Piano in „Outcry“ sogar eine Verbindung zum Klangbild einer so legendären Formation wie „Soft Machine“ her und damit zu de­ren Masterminds Robert Wyatt und Mike Ratledge, von denen man erst heute weiß, wie weit sie vor 50 Jahren ihrer Zeit doch voraus waren.

Dejan Terzic und seine Kollegen haben viel gewagt und alles gewonnen. Mit diesen außergewöhnlichen Kompositionen in erster Linie das Publikum im Birdland, zum anderen für sich selbst die Gewissheit, dass die neuen Stücke nicht nur in der Theorie, sondern auch live in der Praxis bestens „funktionieren“. Man darf sich also ganz zurecht auf das Er­scheinen des geplanten Albums freuen und zu gegebener Zeit auf erneutes Gast­spiel des Quartetts im Birdland.